Interview mit Stefan Fischer (Romanautor) |
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| Interview mit Stefan Fischer (Romanautor) |
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Stefan Fischer liebt Schoko-Cappuccino und mag das Geräusch des zerknisternden Milchschaums. Und seine Leidenschaft gehört dem Schreiben. So erschien im November 2006 sein erster Roman „Das Mondgeheimnis“. Mehr über den Autor unter www.quidam.de.vu

Kurzvita
Stefan Fischer kam im Februar '76 in der Oberpfälzer Stadt Cham auf die Welt. Nach dem Tod seiner Mutter versuchte er mit Schreiben den Kummer zu verarbeiten und entdeckte dadurch bald schon seine Liebe zum Wort.
Imaginäre Welten erschaffen, Figuren kreieren, spannende Plots entwerfen, dazu sieht er sich berufen und er arbeitet akribisch daran, dass ihm das auch gelingen möge.
Interview
Stefan, „Das Mondgeheimnis“ ist dein Debütroman. Wie bist du auf die Idee zu diesem Roman gekommen?
Ich hatte eine kurze Beziehung mit einer Frau, die von Männern sehr begehrt wurde, aber ein großes Geheimnis aus sich gemacht hat. Ihre Verhaltensweisen waren für mich etwas ‚sonderbar’. Z.b. war sie bildhübsch – hat sich aber gehasst und vor sich selber geekelt. Oder aber, sie hat Männer verliebt gemacht, um ihnen dann die kalte Schulter zu zeigen, sie regelrecht abzuservieren. Das hat natürlich Hass gesät. Doch was trieb diese Frau zu einem solchen Verhalten? Im Nachhinein könnte ich mir vorstellen, dass sie missbraucht und vergewaltigt wurde – und dadurch könnte man ja doch auch Verständnis für ihre verletzende Art aufbringen …
Der Roman ist nicht autobiografisch. Meine Ex hat mir lediglich die Idee geliefert, zu einem Roman, der zeigt, wie schnell man allgemein Menschen verurteilt, ohne ihre Hintergründe zu kennen – und dass das fatal enden kann.
Was ist die Hauptprämisse, die du dem Leser vermitteln möchtest?
Ich mache so oft die Erfahrung, dass ich in eine Schublade gesteckt werde, in die ich nicht gehöre. Dass ich verzerrt wahrgenommen werde und man etwas in meine Person interpretiert, was da nicht ist. Zudem habe ich selbst zigmal andere vorschnell verurteilt und Aussagen (oder Schweigen), Handlungen usw. falsch gedeutet – und im Nachhinein festgestellt, dass vieles nicht so ist, wie ich es mir eingebildet habe. Was ich also mit meinem Roman vermitteln will? Dass man den Menschen etwas länger zuhört und ihnen mehr Chancen gibt, sie zu verstehen, sie aus verschiedenen Blickwinkeln wahrnimmt und eben nicht gleich verurteilt.
Wie lange hast du an deinem Roman geschrieben?
Ich hab fünf Jahre an dem Roman geschrieben. Das Hauptproblem war, dass ich mich immer wieder enorm entwickelt habe und so immer wieder den Roman komplett neu schreiben musste.
Planst du die Handlung schon vor dem Schreiben, oder lässt du dich gern überraschen, wohin dich die „Reise“ führt?
Sagen wir so: Ich gebe eine vage Richtung vor. Das wichtigste sind mir Figuren, die Stärke haben und aufgrund ihrer körperlichen Kraft oder/und ihrer Intelligenz die Konflikte lösen. Ihre Motivationen sollten erkennbar sein.
Viele Autoren haben manchmal Krisen. Hattest du auch welche gehabt, wo du schon alles weglegen wolltest?
Mein Problem sind nicht die Schreibblockaden. Ich hab eher damit zu kämpfen, mich hinzusehen und die Geschichten in meinem Kopf abzutippen… -) Tippfaulheit dürfte keine vorteilhafte Eigenschaft eines Schreiberlings sein.
Wie man aber Schreibblockaden bekämpft? Licht ausknipsen, hinlegen, die Gedanken schweifen und sich in die Geschichte fallen lassen, die man erzählen möchte – ich denke, damit würde ich sie bekämpfen. Und wenn man nicht weiß, welche Geschichte man erzählen will? Da muss man nur die Augen aufmachen. Es gibt zu jedem großen Thema zig erzählenswerte Anekdoten.
Wie hast du einen Verlag gefunden?
Auch wenn ich mich zum Tippen zwingen muss, so arbeite ich dennoch leidenschaftlich gerne an meiner Schreibe und setze mich akribisch mit dem Schreibhandwerk auseinander. Und erst nach dem ich das Gefühl hatte, dass die Art des Erzählens bei diesem Roman stimmt, klappte es mit dem ersten Verlag – dem Lerato-Verlag. Zuvor hagelte es bestimmt 30 Absagen – und ich bin heilfroh darüber.
Natürlich werde ich mich noch weiter entwickeln, aber ich bin mir sicher, dass ich den Roman in den Grundzügen (Perspektivenwechsel, Figurenzeichnung, Plot) nicht mehr anders schreiben würde.
Wie verlief die Zusammenarbeit mit dem Lektorat?
Ein paar Szenen auswalzen, ein paar Motivationen herausarbeiten, viel Feinarbeit, aber nichts Grundlegendes.
Im Lerato-Verlag sind in der letzten Zeit einige schlecht lektorierten Anthologien erschienen, die viel „Unruhe“ gestiftet haben. Bist du als Romanautor mit dem Verlag zufrieden?
Ich sage immer wieder, dass der Lerato-Verlag das Beste war, was mir passieren konnte. Lerato besteht ja aus einem Verleger (Daniel Mothes) und einer Verlegerin (Kati Ohst.). Ich wurde von Frau Ohst betreut und ich hab mich bei ihr wunderbar aufgehoben gefühlt. Es gab nicht die kleinste Unstimmigkeit und jede Mail wurde freundlich beantwortet. Ich hatte zu jedem Punkt großes Mitspracherecht (Covergestaltung, Klappentext, Werbung) – für einen Schreiberling eine wunderbare Sache (!) und wenn ich meinen Zweitling bei Lerato unterbringen könnte, wäre das für mich ein Traum.
Zum Thema schlecht lektorierte Anthologien: Der Verlag engagiert sich sehr für Nachwuchsschriftsteller und ermöglicht ihnen durch jene Veröffentlichungen eine große Chance. Man sollte es dem Verlag danken, in dem man auch fehlerfreie Kurzgeschichten/Gedichte abliefert. Jeder in der Branche weiß, dass man mit Anthologien nicht viel Geld machen kann. Dass man dann nicht noch zwei Lektoren und einen Korrektor an die Texte setzt, dürfte auf der Hand liegen.
Natürlich fällt dadurch kein besonders gutes Licht auf den Verlag. Doch Lerato ist noch recht jung, da sollte man ihm ein paar Fehler verzeihen. Wichtig ist, dass er daraus lernt und sich entwickelt.
Nicht jeder Autor kann Kritik vertragen. Wie gehst du damit um?
Jedes Buch hat Leser, die es lobhudeln, solche, die es gut finden, und jene, die nichts damit anfangen und sich nicht erklären können, warum so ein Mist gedruckt wurde. Ich hab lange gebraucht, bis ich das akzeptiert habe, weil ich, wie wohl jeder Schreiber, davon geträumt hab, wirklich jeden Leser zu begeistern.
Wie ich also mit negativer Kritik umgehe? Inoffiziell gehe ich in Gedanken den Kritiker an die Kehle und werde zum Mörder. -) Im Ernst: Ich versuche zu verstehen, was dem Kritiker nicht gefallen hat und lerne daraus. Kritikfähigkeit ist mit das Wichtigste, was ein Schreiber haben muss. Aber auch die Einsicht, dass man es nie jedem Recht machen kann. Man wird einen Vegetarier niemals ein Stück Fleisch schmackhaft machen können, egal, wie toll man es würzt.
Hast du schon Ideen für dein nächstes Projekt?
Mein nächster Roman wird wohl ein skurriler Fantasieroman (sofern mir kein Publikumsverlag Unsummen an Geld für einen Entwicklungsroman bietet *g*).
Ich liebe ja die Figurenzeichnung und da kann ich mich wunderbar ausleben: Eine Elfe mit Sprachfehler, eine siamesische Wespe, ein Gedichte schreibender Ork, ein sexbesessener Zwerg, der ursprünglich ein Drache war, eine hässliche Meerjungfrau, usw.
Sie wurden allesamt verstoßen und symbolisieren sozusagen die Randgruppe unserer Gesellschaft. Ich will zeigen, dass sie ‚Figuren’ sind, die es aufgrund innerer Größe verdient haben, respektiert und geliebt zu werden.
Vielen Dank für das Gespräch, Stefan!
Das Gespräch führte Olga A. Krouk ( www.olgakrouk.de )
Das Interview unterliegt dem Copyright. Die weitere Verbreitung ist nur mit der schriftlichen Zustimmung von Stefan Fischer oder Olga A. Krouk erlaubt.
Buchvorstellung
„Das Mondgeheimnis“
Erschienen: November 2006
Verlag: Lerato-Verlag
ISBN: 3938882255
Seitenzahl: 276
Für die Studentin Alena bedeuten Gefühle Erinnerungen, und Erinnerungen Albträume. Sie geht eine emotionslose Beziehung mit Vlado ein, der sie vor ihren zahlreichen Verehrern abschirmt. Nachdem sie aber den Maler Ondrej kennen lernt, merkt sie, dass sie mehr vom Leben will.
Doch da ist nicht nur Vlado, sondern auch die Sache mit ihrer Mutter – und das Mondgeheimnis.
Leseprobe: http://people.freenet.de/quiddy/mondgeheimnis.htm
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03.12.2006 09:17 |
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goat

Super Moderator
  

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Ein schönes Interview. Vielen vielen Dank
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Gelegentlich stolpern die Menschen über eine Wahrheit. Aber sie richten sich wieder auf und gehen weiter, als sei nichts geschehen. (Winston S. Churchill)
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03.12.2006 14:01 |
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Caroline

Admine1
   

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03.12.2006 16:46 |
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elfirina unregistriert
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Es freut mich sehr, dass das Interview euch gefällt! Dann weiß man, dass man es nicht umsonst gemacht hat.
Liebe Grüße,
Olga
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03.12.2006 19:58 |
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Zabou1964

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Liebe Olga,
vielen Dank für die Vorstellung von Stefan Fischer.
Ich habe schon vor einiger Zeit auf seiner Website gestöbert und auch einen Ausschnitt aus seinem aktuellen Buch gelesen.
Das alles hat mir gut gefallen und ich werde mir den Autor auf jeden Fall merken.
LG
Simone
__________________ In einem Buch zu versinken ist (fast) die schönste Entspannung, die ich mir vorstellen kann. Die schönste bleibt Eurer Phantasie überlassen.
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03.12.2006 23:35 |
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Karrlchen

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10.04.2007 16:44 |
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